Heute Morgen klang schon die erste Schlagzeile nach Grundsatzfrage. Irgendwo wird wieder beraten, verhandelt, sondiert, als hinge alles an den nächsten zwei Stunden. Wahrscheinlich tut es das sogar ein bisschen. Und gleichzeitig sitzt anderswo jemand in einem Besprechungsraum mit zu trockenem Kaffee und schreibt ins Protokoll: „TOP 3 verschoben auf kommende Woche.“
Diese Gleichzeitigkeit ist merkwürdig vertraut. Das Große schwebt im Raum – Wie geht es weiter mit uns, mit der Firma, mit dem Team, mit dem Standort? – und darunter wird trotzdem der Drucker entstaut, die Kundenmail beantwortet und der Kalender für nächste Woche gepflegt. Nicht, weil niemand die Lage versteht. Sondern gerade weil man sie versteht.
Vielleicht ist das eine unterschätzte Form von Vernunft: dass Menschen in unsicheren Zeiten nicht nur grübeln, sondern auch weitermachen. Nicht heldenhaft. Eher praktisch. Jemand kauft Hafermilch nach. Jemand verschickt die überarbeitete Version. Jemand fragt im Chat, ob man den Termin um 15 Minuten verschieben kann. Es wirkt banal, ist es aber nicht. Es ist die leise Art, den Laden zusammenzuhalten, während oben noch diskutiert wird, ob es den Laden in dieser Form überhaupt bald noch gibt.
Im Arbeitsleben wird oft so getan, als müsste man sich entscheiden: entweder das große Ganze denken oder die kleinen Dinge erledigen. Tatsächlich können Teams beides erstaunlich gut. Sie führen Krisengespräche und achten trotzdem darauf, dass das Protokoll nicht verloren geht. Vielleicht, weil Struktur in solchen Momenten keine Kleinlichkeit ist, sondern eine Art Geländer.
Gerade am Freitag liegt darin ein tröstlicher Gedanke. Nicht jede Unsicherheit muss heute gelöst werden. Es reicht oft, das Nächste ordentlich zu tun. Die Mail. Der Anruf. Der Satz im Dokument, der noch gefehlt hat.
Manchmal ist Weiterarbeiten keine Verdrängung, sondern eine sehr vernünftige Antwort auf offene Fragen. Und vielleicht sogar die beste, die ein Vormittag hergibt.