Heute Morgen im Bus hat jemand dreimal hintereinander geniest, hinten raschelte eine Packung Taschentücher, und vorne sagte eine Frau in diesem halb belustigten, halb erschöpften Ton: „Es ist wieder alles unterwegs.“ Gemeint waren Pollen. Aber für einen Moment klang es, als spreche sie über die Woche.

Denn unterwegs ist gerade tatsächlich alles. Nachrichten, Termine, Meinungen, Erinnerungen, Kalendereinladungen mit freundlichem Druck. Das Handy summt, der Kopf macht mit, und irgendwann reagiert man schon auf Kleinigkeiten, als hätte der Alltag ein eigenes Histamin freigesetzt. Eine Mail mit Fragezeichen. Ein Blick, der kürzer war als sonst. Ein Wort im falschen Moment. Niesreiz fürs Nervensystem.

Das Interessante an Allergien ist ja: Der Körper hält etwas Harmloses für bedrohlich und fährt vorsichtshalber das große Programm hoch. Tränende Augen, Alarm, Abwehr. Man könnte sagen: sehr engagiert, aber nicht immer treffsicher.

Genau so wirken viele Tage inzwischen auch. Nicht weil wir schwach geworden wären, sondern weil so vieles gleichzeitig anklopft. Wer dauernd gereizt wird, wird irgendwann reizbar. Das ist keine Charakterschwäche. Das ist Biologie mit Terminkalender.

Vielleicht ist das der freundlichere Blick auf manche Überreaktion: Nicht alles ist ein Problem. Manches ist nur zu viel auf einmal. Zu viele offene Tabs im Kopf. Zu wenig Gewöhnung an Stille. Zu selten das Gefühl, dass nicht jede Meldung, jede Anfrage und jede Stimmung sofort beantwortet werden muss.

Der kleine Freitagmorgen-Gedanke wäre dann kein heldenhafter. Eher dieser: Nicht auf alles reagieren ist auch eine Form von Gesundheit. Vielleicht muss heute nicht jeder Reiz durchgelassen werden. Nicht jede Nachricht ist dringend. Nicht jede Stimmung ansteckend. Nicht jeder Pollen des Alltags verdient eine Niesattacke.

Ein bisschen weniger Alarm wäre schon viel. Und vielleicht ist genau das eine gute Art, ins Wochenende zu gehen: nicht abgestumpft, nur etwas wählerischer mit den Dingen, die man an sich heranlässt.