Diese Woche wieder so ein typischer Sportmoment: Die Uhr steht bei null, alle dachten, das war’s – und dann heißt es plötzlich doch: Verlängerung. Das Publikum stöhnt kurz, die einen greifen schon nach der Jacke, die anderen rutschen erst recht nach vorn. Overtime hat ein merkwürdiges Image. Als hätte jemand die Planung vergessen. Als wäre das der unordentliche Teil des Spiels.
Dabei ist die Verlängerung oft der ehrlichste Moment. Nach neunzig Minuten, vier Vierteln oder fünf Sätzen sind die Ausreden langsam aufgebraucht. Dann bleibt nicht mehr viel außer: Wer hat noch einen klaren Kopf? Wer bleibt wach? Wer spielt nicht schön, sondern weiter?
Vielleicht gefällt einem dieser Gedanke gerade deshalb so gut, weil er nicht nur auf dem Spielfeld stimmt. Es gibt Wochen, die benehmen sich ähnlich. Man dachte, das Projekt sei am Mittwoch eigentlich durch, dann kommt am Donnerstag noch eine Mail mit „eine kleine Ergänzung“. Ein Gespräch, das schon fertig sortiert schien, geht beim Rausgehen an der Tür erst richtig los. Eine Idee, die man abgeschrieben hatte, meldet sich Freitagfrüh mit einem überraschend vernünftigen Ton zurück.
Nicht alles, was länger dauert, ist gleich ein Problem. Manches braucht einfach diese zusätzlichen Minuten, in denen niemand mehr glänzen muss. In der Overtime wird oft einfacher gespielt. Geradliniger. Weniger Spektakel, mehr Substanz. Vielleicht, weil alle spüren: Jetzt kommt es nicht mehr darauf an, perfekt zu wirken. Jetzt kommt es darauf an, dranzubleiben.
Das ist für einen Freitag ein ganz brauchbarer Gedanke. Nur weil etwas diese Woche nicht in die geplante Spielzeit gepasst hat, ist es noch nicht verloren. Vielleicht ist es bloß noch nicht fertig. Und vielleicht entsteht das Gute manchmal genau dort, wo der ursprüngliche Zeitplan schon beleidigt auf der Bank sitzt.
Kleiner Impuls für heute: Nicht alles, was sich zieht, zieht einen runter. Manche Dinge brauchen einfach noch ein paar gute Minuten.