Heute Morgen, zwischen Kaffeemaschine und Nachrichtenüberblick, tauchte wieder so eine dieser Meldungen auf, die erst komisch wirken und dann erstaunlich viel über die Welt erzählen: ein offizielles Geschenk, das so gründlich am Empfänger vorbeiging, dass man fast Respekt haben muss. In dieser besonderen Disziplin reicht die Spannweite bekanntlich vom guten Rotwein für überzeugte Abstinenzler bis zum Revolver für Diplomaten. Es gibt Fehlgriffe, die sind keine Panne mehr, sondern eine kleine Kunstform.

Das Interessante daran ist weniger das Geschenk selbst als die stille Botschaft dahinter. Ein falsches Gastgeschenk sagt oft nicht: Ich kenne dich. Es sagt: Ich mag die Vorstellung, die ich mir von dir gemacht habe. Oder noch ehrlicher: Ich schenke dir etwas, das in meiner Welt sinnvoll, wertvoll, beeindruckend ist. Der Gegenstand wandert dann zwar den Tisch hinüber, die Perspektive aber bleibt brav auf der eigenen Seite stehen.

Im Kleinen passiert das dauernd. Man bringt Pralinen mit, obwohl die Kollegin gerade Zucker meidet. Man verschickt ellenlange Mails an jemanden, der zwei klare Sätze gebraucht hätte. Man bietet Hilfe an und merkt erst später, dass eigentlich Zuhören gemeint war. Gute Absichten sind erstaunlich oft nur halbe Arbeit. Die andere Hälfte heißt Übersetzung.

Vielleicht ist das die nützlichere Definition von Höflichkeit: nicht nur etwas Nettes tun, sondern es so tun, dass es beim anderen auch als nett ankommt. Das gilt im Wohnzimmer genauso wie zwischen Staaten. Freundlichkeit ohne Neugier ist manchmal nur elegant verpackte Selbstbezogenheit.

Für diesen Freitag ist das gar kein schlechter Gedanke. Bevor man etwas losschickt — ein Geschenk, eine Idee, eine Rückmeldung, eine Einladung — hilft eine kleine Zusatzfrage: Braucht der andere das wirklich? Oder gefällt nur mir der Gedanke daran?

Man muss nicht immer das perfekte Geschenk finden. Aber es ist schon viel gewonnen, wenn man den anderen nicht mit sich selbst verwechselt.