Neulich an der Supermarktkasse: vor mir drei Menschen, hinter mir zwei, und in diesen vielleicht neunzig Sekunden griffen fast alle wie auf Kommando zum Smartphone. Ein kurzer Blick, ein Wischen, noch schnell irgendetwas nachsehen, beantworten, wegdrücken. Niemand wirkte besonders dringend beschäftigt. Eher so, als hätte die freie Minute sonst beleidigt im Raum gestanden.

Vielleicht ist das der eigentliche Trick dieser Geräte: Sie tun so, als würden sie nur mitfahren, dabei richten sie sich erstaunlich schnell häuslich ein. Erst wohnt da eine Messenger-App. Dann zieht der Kalender dazu. Dann ein Team-Chat, ein Newsfeed, noch eine Plattform, die „nur kurz“ geprüft werden will. Und irgendwann trägt man kein Telefon mehr in der Hosentasche, sondern ein kleines Großraumbüro mit Push-Nachrichten.

Das Erschöpfende daran ist nicht einmal die einzelne Unterbrechung. Es ist die Summe aus all den winzigen Zugriffen auf Aufmerksamkeit. Jede Wartezeit wird verwertet, jede Lücke bespielt, jede Pause möbliert. Sogar die zwei Minuten vor dem Meeting dürfen offenbar nicht ungenutzt verstreichen. Dabei waren genau diese kleinen Leerräume früher gar nicht das Problem. Sie waren oft die Stelle, an der ein Gedanke nachkam.

Gerade im Arbeitsalltag wird gern über bessere Tools, klügere Abläufe und effizientere Systeme gesprochen. Alles verständlich. Aber manchmal beginnt Produktivität erstaunlich unspektakulär: mit drei langweiligen Minuten ohne Bildschirm. Ohne Input. Ohne Reaktion. Einfach nur im Aufzug stehen, aus dem Fenster schauen, einen Kaffee holen, ohne nebenbei schon halb in der nächsten Nachricht zu hängen.

Das ist keine digitale Askese und auch kein heroischer Verzicht. Eher eine kleine Grenzziehung: Nicht jede App muss in jede freie Minute einziehen dürfen. Manche Minuten dürfen leer bleiben. Nicht, weil dort nichts passiert. Sondern weil dort oft wieder etwas Eigenes anfängt.

Vielleicht ist das heute ein guter Versuch: das Handy einmal in der Tasche lassen, obwohl es gerade nichts dagegen hätte.