Neulich in einem Büroflur: Zwei Leute stehen vor der Kaffeemaschine, einer sagt halb scherzend, halb mit dieser seltsamen Buchhalter-Stimme im Kopf: „Damals hab ich dir ja auch den Termin gerettet.“ Man hört sofort: Das war nicht nur Hilfe. Das war offenbar ein Kredit mit unklarer Laufzeit und überraschend hohem Zinssatz.

Solche Sätze haben eine besondere unangenehme Eleganz. Sie tun so, als würden sie an Fairness erinnern, meinen aber oft etwas anderes: Ich habe mir gemerkt, was ich gegeben habe, und jetzt möchte ich bestimmen, was es wert war. Die Rechnung kommt also nicht dann, wenn man gemeinsam etwas klärt. Sondern später. In einem anderen Zusammenhang. Und manchmal landet sie bei jemandem, der gar nicht wusste, dass überhaupt mitgeschrieben wurde.

Das ist im Großen unerquicklich und im Kleinen erstaunlich zerstörerisch. Teams leben nämlich nicht davon, dass immer alles exakt ausgeglichen ist. Sie leben davon, dass Hilfe zunächst einmal Hilfe sein darf. Dass jemand einspringt, eine Präsentation rettet, einen Fehler abfängt oder einen müden Montag mit gesundem Menschenverstand übersteht, ohne daraus still ein Forderungsmanagement zu machen.

Natürlich darf man erwarten, dass Geben und Nehmen ungefähr im Lot bleiben. Niemand muss auf Dauer die menschliche Notstromversorgung einer Abteilung sein. Aber es macht einen Unterschied, ob man Ungleichgewichte offen anspricht – oder ob man später mit alten Gefälligkeiten wedelt wie mit unbezahlten Rechnungen aus einem Archivkarton.

Vielleicht ist das eine brauchbare Freitagsfrage: Wo arbeite ich gerade mit Menschen zusammen – und wo mit einer verdeckten Gebührenordnung? Denn Zusammenarbeit wird nicht dann schwierig, wenn etwas kostet. Sondern dann, wenn erst nachträglich behauptet wird, es sei nie ein Geschenk, sondern immer schon ein Darlehen gewesen.

Ein kleiner Luxus im Arbeitsalltag ist deshalb gar nicht kostenlos, aber wertvoll: helfen, ohne Buch über den anderen zu führen. Und wenn etwas zu viel wird, lieber früh reden als spät kassieren.