Diese Woche im Sport gab es wieder so einen Moment, den man in Zeitlupe zeigen könnte, wenn man wollte: jemand springt ein, weil jemand anderes ausfällt. Kurzfristig, unter Beobachtung, gegen Leute, die länger vorbereitet, besser sortiert und wahrscheinlich auch ausgeschlafener sind. Im Fernsehen sieht das dann gern nach Chance aus. In echt sieht es erst einmal nach: ungünstig.
Das Interessante an solchen Momenten ist ja nicht der spätere Rückblick. Im Rückblick waren alle mutig, alle „voll da“, alle irgendwie bereit für ihren großen Augenblick. Nur: In dem Augenblick selbst fühlt es sich selten groß an. Eher nach zu enger Kappe, zu kaltem Wasser und dem klaren Verdacht, dass das heute sehr öffentlich schiefgehen könnte.
Vielleicht liegt genau darin der unromantische Teil von Chancen. Sie erscheinen nicht mit Vorankündigung und freundlicher Beleuchtung. Sie kommen, wenn man noch mitten im Gewöhnlichen steckt. Zwischen zwei Terminen. Mit halbfertigen Gedanken. Ohne die Sicherheit, dass es reicht.
Im Alltag ist das nicht anders. Die Präsentation, die plötzlich bei einem landet. Das Gespräch, für das man noch keinen perfekten Satz hat. Die Aufgabe, bei der man insgeheim denkt: Eigentlich bin ich dafür noch nicht die ideale Besetzung. Wahrscheinlich ist kaum jemand je die ideale Besetzung, wenn es darauf ankommt. Das ist vielleicht die stillste Wahrheit dieser Woche.
Im Sport bewundert man oft die aufgerissenen Arme nach dem Ziel. Verständlich. Aber fast beeindruckender ist der unspektakuläre Moment davor: das Antreten. Nicht weil man sich heldenhaft fühlt, sondern obwohl man es gerade nicht tut.
Für diesen Freitag reicht das vielleicht schon als brauchbarer Gedanke: Man muss nicht bereit aussehen, um loszugehen. Oft genügt es, nicht wegzutreten, wenn’s ernst wird.
Ohne Soundtrack. Aber immerhin im Wasser.