Heute Morgen wieder dieses vertraute Bild in den Nachrichten: Balken, Prozente, mögliche Bündnisse, Unmöglichkeiten mit sehr ernsten Gesichtern. Jemand sagt, eine Konstellation sei „rechnerisch denkbar“, und man weiß sofort: Das ist die höfliche Form von „Viel Glück dabei“.

So ähnlich fühlt sich Teamarbeit manchmal auch an.

Auf dem Papier sieht im Büro erstaunlich vieles gut aus. Die Strukturierte aus dem Controlling, der Ideenmensch aus dem Marketing, dazu jemand aus der IT, der in ganzen Sätzen „kommt drauf an“ sagen kann: klingt nach arbeitsfähiger Mehrheit. Wenn dann noch die Kollegin dazukommt, die in jedem Meeting den einen Satz sagt, der alle wieder in die Wirklichkeit zurückholt, scheint die Sache fast stabil.

Und trotzdem kennt jeder diese Projekte, die rechnerisch vollkommen logisch sind und menschlich eine Zumutung. Nicht weil die Leute schwierig wären. Sondern weil jede Zusammenarbeit ihre eigenen Verhandlungen braucht: über Tempo, Ton, Perfektionsgrad, Zuständigkeiten – und über die uralte Frage, ob „kurz abstimmen“ drei Minuten oder drei Kalendereinladungen bedeutet.

Vielleicht liegt genau darin ein tröstlicher Gedanke für diese Woche. Dass gute Zusammenarbeit selten daraus entsteht, dass einfach die richtigen Kompetenzen am Tisch sitzen. Sondern daraus, dass man einander ein bisschen mitdenkt. Dass der Schnellste merkt, wann er andere überfährt. Dass die Genaueste irgendwann sagt: Für heute reicht es. Dass der Kreative akzeptiert, dass nicht jede Idee sofort einen eigenen Arbeitsstrang braucht.

Belastbare Mehrheiten entstehen im Büro nicht nur aus Fähigkeiten, sondern aus kleinen Zugeständnissen. Aus der Bereitschaft, nicht immer den schönsten, sondern den gangbaren Weg zu wählen. Das ist weniger glamourös als große Visionen. Aber oft sehr viel wirksamer.

Und vielleicht ist das ein guter Gedanke für diesen Freitag: Nicht jedes Team muss aus besten Freunden bestehen. Es reicht manchmal schon, wenn aus verschiedenen Temperamenten für ein paar Stunden etwas Gemeinsames wird, das hält.