Diese Woche fiel in einem Gespräch der Satz: „Wir müssen unbedingt jünger werden.“ Er kam schnell, fast reflexhaft, so wie andere sagen, man müsse mal wieder mehr trinken oder endlich die Inbox aufräumen. Gemeint war natürlich nicht die Haut. Gemeint war das Team, die Firma, die Kultur, vielleicht auch das eigene Gefühl, nicht versehentlich zum Faxgerät des Unternehmens zu werden.
Interessant an diesem Satz ist weniger der Wunsch nach Nachwuchs als die kleine Nervosität darin. Als wäre Jugend eine Art Betriebssystem-Update, das man nur rechtzeitig installieren muss, damit alles wieder flüssig läuft. Dabei kennt jeder aus dem Alltag das Gegenteil: Das neueste Gerät ist nicht automatisch das beste, und wer schon einmal versucht hat, mit einem hypermodernen Kaffeeautomaten einfach nur einen Kaffee zu machen, weiß, wie überschätzt Fortschritt im falschen Moment sein kann.
In vielen Teams liegt der Fehler gar nicht darin, dass sie zu alt oder zu jung sind. Sondern darin, dass Alter sofort mit Tempo, Offenheit oder Relevanz verwechselt wird. Die Jüngeren sollen frischen Wind bringen, die Älteren bitte Erfahrung – und am Ende sitzen alle in Rollen, die klingen wie schlecht verteilte Theaterkostüme.
Dabei sind die besten Arbeitsumgebungen oft erstaunlich unspektakulär. Dort erklärt die eine Person nicht zum dritten Mal geduldig die Abkürzungen in der internen Software, weil sie „halt schon länger dabei“ ist. Sondern weil sie Zusammenhänge sieht. Und die andere schlägt nicht einen neuen Weg vor, weil sie jung ist. Sondern weil sie noch nicht gelernt hat, warum man es angeblich nicht so macht. Beides ist nützlich. Zusammen erst recht.
Vielleicht ist das die angenehmere Idee für den Freitag: Gute Teams müssen nicht möglichst jung sein. Sie müssen so zusammengesetzt sein, dass Neugier nicht als Naivität gilt und Erfahrung nicht als Bremse. Dann wird aus Altersunterschied kein Kulturthema, sondern ein Arbeitsvorteil.
Passend jung ist vermutlich ohnehin besser als zwanghaft verjüngt. Alles andere wirkt schnell wie ein Unternehmen, das Turnschuhe zum Anzug trägt und hofft, damit automatisch beweglich auszusehen.